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Lust auf Farben

Texte und Gedanken über den Tod

An dieser Stelle will ich nach und nach Gedanken und Texte über den Tod veröffentlichen. Das Thema des Todes hat mich seit frühester Kindheit begleitet und seit vielen Jahren lebe ich bewußt mit dem Tod. Mein Leben ist intensiver geworden, dankbar geniesse ich jeden neuen Morgen, der mir geschenkt wird.

Durch Klicken auf das Motiv können die Bilder vergrössert werden.




Totenschädel mit gelber Rose

 

Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen,
auf dass wir klug werden.
Psalm 90, Vers 12



Der Tod - das Mysterium unseres Lebens

Unbegreiflich - unausweichlich,
gegenwärtig - immer wirksam,
furchteinflössend - auch ersehnt?
Tod - Verwesung,
lebensspendend - Humus bringend,
unverstanden bist Du da.

7. April 2001



Mandelblüten Mandelblüten

Lust liegt darin, dass die Blumen erblühen
und aus den Knospen sich entfalten -
ebesolche Lust liegt darin,
dass die Blütenblätter verwehen
und zu ihrem Ursprung zurückkehren.

Rumi



Kiko

gestorben am zweiten Tag im fünften Monat 1823
im Alter von zweiundfünfzig Jahren

Was blüht, vergeht,
das ist der Weg aller Dinge
in dieser Welt der Blumen.


Goshi

gestorben am dreizehnten Tag im neunten Monat 1775
im Alter von sechsundsechzig Jahren

Dem Leben Dank zu sagen,
wende ich mich zurück
und verbeuge mich nach Osten.

Yoel Hoffmann: " Die Kunst des letzten Augenblicks"
Todesgedichte japanischer Zenmeister, Seite 97,
Freiburg im Breisgau: Verlag Herder, 2000, ISBN 3-451-04965-1



Gedanken über den Tod

Zwei Jahre vor seinem Tod, von Jiddu Krishnamurti diktiert.
Im letzten Kapitel dieser Aufzeichnungen geht es um den Tod.

Mittwoch, 30. Mai 1984

„Auf einem Gang über die gerade Landstraße, an einem lieblichen Morgen, es war Frühling, und der Himmel war ungewöhnlich blau, ohne eine einzige Wolke darin, und die Sonne gerade warm, nicht zu heiß. Es war ein angenehmes Gefühl.Und die Blätter glänzten, und ein Funkeln war in der Luft. Es war wirklich ein ganz besonderer Morgen. Da stand der hohe Berg, undurchdringlich, und die Hügel darunter waren grün und lieblich. Und als Du ruhig dahergingst, fast gedankenlos, sahst Du ein totes Blatt, gelb und leuchtend rot, ein Blatt vom Herbst. Wie schön war das Blatt, so einfach in seinem Tod, so lebendig, voll von der Schönheit und Vitalität des ganzen Baumes und des Sommers. Seltsam, dass es nicht verwelkt war. Wenn man es genauer betrachtete, sah man all seine Adern und den Stengel und die Form des Blattes. Dieses Blatt war der ganze Baum.

Weinblätter und Trauben

Warum sterben die Menschen so kläglich, so unglücklich, an Krankheit, hohem Alter, Senilität, der Körper eingeschrumpft, hässlich? Warum können sie nicht natürlich sterben und so schön wie dieses Blatt? Was stimmt mit uns nicht? Trotz aller Ärzte, Medikamente und Krankenhäuser, all der Operationen und der Qualen des Lebens wie auch seiner Freuden, scheinen wir nicht fähig zu sein, in Würde und Einfachheit zu sterben, und mit einem Lächeln.

Als man einst einen Pfad entlang ging, hörte man hinter sich einen Gesang, melodisch, rhythmisch, mit der uralten Kraft des Sanskrit. Man blieb stehen und sah sich um. Ein ältester Sohn, nackt bis zur Hüfte, trug einen irdenen Topf, in dem ein Feuer brannte. Er trug ihn in einem anderen Gefäss, und hinter ihm gingen zwei Männer, die seinen toten Vater trugen, der mit einem weissen Tuch zugedeckt war, und sie alle sangen. Man kannte den Gesang, und fast stimmte man mit ein. Sie gingen vorbei, und man folgte ihnen. Sie gingen singend die Strasse entlang, und der älteste Sohn weinte. Sie trugen den Vater zum Strand, wo sie bereits einen Holzstoss zusammengetragen hatten, und sie legten den Leichnam auf den Scheiterhaufen und zündeten ihn an. Das war alles so natürlich, so ausserordentlich einfach: Da waren keine Blumen, kein Leichenwagen, keine schwarzen Kutschen mit schwarzen Pferden. Alles ging sehr still und mit grosser Würde zu. Und man betrachtete dieses Blatt und die tausend Blätter des Baumes. Der Winter hatte das Blatt von seiner Mutter auf diesen Pfad gebracht, und es würde nun völlig vertrocknen und verwelken, verschwunden sein, vom Wind davon getragen und verloren.

Birkenrinde znd Heidekraut

Wie die Kinder in Mathematik, Schreiben, Lesen und dem ganzen Geschäft des Wissenserwerbs unterrichtet werden, so sollten sie auch von der grossen Würde des Todes erfahren, Tod nicht als etwas Morbides, Trauriges, dem man am Ende entgegenblicken muss, sonder als etwas Alltägliches, - alltäglich, wie das Betrachten des Himmels und des Grashüpfers auf einem Blatt. Auch das gehört zur Erfahrung, wie das Zähnekriegen und all die Beschwerden der Kinderkrankheiten. Kinder sind von ausserordentlicher Wissbegier. Wer das Wesen des Todes begreift, der erklärt nicht, dass alles stirbt, Staub zu Staub und so, sondern erklärt es ihnen furchtlos und behutsam und gibt ihnen (das) Gefühl, dass Leben und Sterben eins sind - nicht am Ende des Lebens nach fünfzig, sechzig oder neunzig Jahren, sondern dass der Tod ist wie dieses Blatt. Sieh die alten Männer und Frauen an, wie verbraucht, wie verloren, wie unglücklich und hässlich sie aussehen. Liegt es daran, dass sie weder das Leben noch das Sterben richtig verstanden haben? Sie haben das Leben verbraucht, sie vergeuden ihr Leben in endlosen Konflikten, die nur das Selbst, das "Ich", das Ego beschäftigen und stärken. Wir verbringen unsere Tage in den verschiedensten Formen von Konflikten und Unglücklichsein, mit etwas Freude und Vergnügen. Trinken, Rauchen, langen Nächten und Arbeit, Arbeit, Arbeit. Und am Ende unseres Lebens begegnen wir dem, was man Tod nennt - und fürchten uns davor. Man denkt, er kann immer verstanden, tief empfunden werden. Einem Kind in seiner Wissbegier kann man verstehen helfen, dass Tod nicht nur der Verfall des Körpers durch Krankheit, Alter oder einem unerwarteten Unfall ist, sondern dass das Enden eines jeden Tages an jedem Tag auch das Enden unserer selbst ist.

Es gibt keine Auferstehung, das ist Aberglaube, ein Glaubensdogma. Alles auf Erden, auf dieser schönen Erde, lebt, stirbt, wird und vergeht. Um diese ganze Bewegung des Lebens zu verstehen, bedarf es der Intelligenz, nicht der Intelligenz des Denkens, der Bücher, des Wissens, sondern der Intelligenz der Liebe und des Mit-Gefühls, mit der ihr eigenen Sensibilität. Ganz sicher, wenn der Erzieher die Bedeutung und die Würde des Todes, die besondere Einfachheit des Sterbens, versteht - nicht intellektuell, sondern zutiefst, - dann kann er wohl dem Schüler, dem Kind, vermitteln, dass das Sterben, das Enden, nicht etwas ist, dem man ausweichen muss, nicht etwas, vor dem man sich fürchten muss, denn es ist ein Teil unseres ganzen Lebens, so dass sich der Schüler, das Kind, wenn es erwachsen wird, niemals vor dem Ende fürchtet. Wenn alle Menschen, die vor uns gelebt haben, alle vergangenen Generationen, noch auf dieser Erde lebten, wie schrecklich wäre das. Der Anfang ist nicht das Ende.

Und man möchte helfen - nein, das ist das falsche Wort - man möchte in der Erziehung den Tod als eine Realität und Aktualität vermitteln, nicht als das Sterben eines anderen, sondern dass jeder einzelne von uns, wie alt oder jung er auch sei, sich unausweichlich dieser Sache stellen muss. Das ist kein trauriges Ereignis mit Tränen, Einsamkeit, Trennung. Wir töten so leichthin, nicht nur Tiere für unsere Nahrung, sondern da ist das unnötige Töten zum Vergnügen, Sport genannt - wir töten ein Reh, weil Jagdsaison ist. Ein Reh zu töten ist das gleiche, wie seinen nächsten zu töten. Man tötet Tiere, weil man der Natur entfremdet ist und allem Lebendigen auf dieser Erde. Man tötet in Kriegen für alle möglichen romantischen, nationalistischen, politischen Ideologien. Im Namen Gottes hat man Menschen getötet, Gewalt und Töten gehören zusammen.

Tagetes - heilige Blumen

Und wenn man jenes tote Blatt betrachtete, in all seiner Schönheit und Farbenpracht, vielleicht würde man zutiefst verstehen, wahrnehmen, wie der eigene Tod sein müsste, nicht ganz am Ende, sondern von Anbeginn an. Tod ist nichts Erschreckendes, dem man ausweichen, das man hinausschieben muss, sondern vielmehr etwas, mit dem man tagein, tagaus leben muss. Und daraus entsteht ein ausserordentliches Gefühl des Unermesslichen.

Krishnamurti: Selbstgespäche - Das letzte Tagebuch
Grafing: Aquamarin Verlag, 1992, ISBN 3-922936-72-5




...Das Jenseits ist nichts, was irgendwann im Laufe der Zeit einmal kommen wird, sondern es ist das Jenseits der Zeit: die Zeitlosigkeit. Hat man sich das einmal klar gemacht, wird man nicht umhin können, seine Vorstellung von Auferstehung und einem Leben nach dem Tod zu ändern. Denn nun zeigt sich, dass Auferstehung sich nicht zu einer anderen Zeit an einem anderen Ort vollzieht, sondern hier und jetzt. Gott vollzieht sich als Hier und Jetzt. Und Religion ist nicht der auf künftige Belohnung schielende Dienst an einem jenseitigen Gott, sondern der Vollzug des Hier und Jetzt - der Vollzug Gottes in unserem konkreten, täglichen Leben.

...Wir wissen nicht, wie es ist, zu sterben. Aber vieles spricht dafür, dass Sterben ein Erwachen ist. Es schliesst sich nicht ein Tor, es öffnet sich ein Tor. Ob dieses Erwachen noch eine personale Komponente hat, können wir dahin gestellt sein lassen. Gott wird in einer neuen Form wiederkommen....

...Alles, was uns im Augenblick des Sterbens bleibt, ist loszulassen....

Willigis Jäger: Die Welle ist das Meer
Mystische Spiritualität - Seite 93, 180 und 181
Freiburg im Breisgau: Verlag Herder, 2000, ISBN 3-451-05046-3

 



 

Todenschädel und Magnolienzweige
Lilien und Wassergafässeaus Benares
Todenschädel und Magnolienzweige



Aus einem buddhistischen Bestattungszeremoniell:

Wenn des Tages Arbeit getan ist, bringt die Nacht die Wohltat des Schlafes. So ist der Tod das Ende eines grösseren Tages und in der darauffolgenden Nacht findet jeder Mensch seine Ruhe, bis er aus eigenem Entschluss zu neuem Bemühen und neuen Arbeiten zurückkehrt.
So ist es mit unserem Bruder gewesen und so wird es bei uns allen sein, bis die Illusion des abgesonderten Ichs endlich überschritten ist; erst beim Tod des Ichs erreichen wir die Erleuchtung.




Apfelblüten

Kari
gestorben am zwölften Tag im dritten Monat 1770
im Alter von siebenundsechzig Jahren


Wie traurig: Kirschblüten
wandeln sich zu Wolken,
die kommen, mich zu grüssen.


Yoel Hoffmann: " Die Kunst des letzten Augenblicks"
Todesgedichte japanischer Zenmeister, Seite 116
Freiburg im Breisgau: Verlag Herder, 2000, ISBN 3-451-04965-1



Zum Tod von Theresa

Das Schrecklichste, was einer Mutter,
was Eltern geschehen kann,
ist die Selbstzerstörung des eigenen Kindes,
des Kindes, das wir getragen und geboren haben,
dem wir unsere ganze Liebe gegeben haben,
unsere mit Fehlern durchsetzte Zuwendung,
für das wir Pläne und Vorstellungen hatten,
das unsere Schöpfung ist.
Dieses Kind zerstört sich selbst
und damit den Sinn unseres Lebens.

Den Sinn unseres Lebens? So scheint es,
aber es sind noch andere Kinder da, sie brauchen uns,
gelingt es uns zurück zu finden in diese Welt?
Wir fühlen uns zerstört, leer und abgestorben
und wie ein Bündel von Schmerz,
ohnmächtig, ohne jeden Sinn.
Finden unsere lautlosen Schreie nach Hilfe Gehör?

Unsere verzweifelte Einsamkeit
droht uns zu zerstören.
Wir müssen Hilfe suchen, um Hilfe bitten, Hilfe annehmen.
Wir finden Hilfe,
finden auf einem endlos scheinenden Weg uns selbst,
mit dem Schmerz über diesen Verlust im Reisegepäck,
dieser Schmerz verlässt uns nie ganz.
Er lässt uns fühlen, wie klein, wie verletzlich wir sind.

Wir lernen Mitgefühl und Liebe
im Loslassen unserer eigenen Schöpfung.

Dorothea Fischer 1999

Zum Tod von Theresa, an ihre Eltern, von einer Schwester,
der Ähnliches 16 Jahre zuvor geschehen ist.

Totenschädel und Pfauenfeder


Die Künstlerin Rita Capitain entwirft und fertigt eine besonders schöne und aussergewöhnliche Urne, schauen Sie selbst!



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